Digitalisierungswüste Bauwirtschaft | Ein Interview mit dem BFW NRW

BFW NRW:

Herr Werner, wir freuen uns darüber Sie und Ihr Unternehmen nun auch als Partner des BFW Landesverband Nordrhein-Westfalen begrüßen zu dürfen. Sie sind bereits durch verschiedene BFW-Partnerschaften mit der Struktur und den Zielen des BFW vertraut und können zudem auf eine breite Erfahrung im Bereich der Bauwirtschaft zurückgreifen.
Die Schultheiß Software AG kommt ursprünglich aus dem Bauträgerbereich. Was war die Motivation, das Geschäftsfeld Richtung Digitalisierung zu erweitern?

Thomas Werner:

Die Schultheiß Software AG ist aus der Schultheiß Gruppe in Nürnberg entstanden. Unsere Wurzeln liegen – wie Sie schon sagen - im eigenen Bauträgerunternehmen. Wir haben bereits vor nahezu 30 Jahren parallel zum Bauträgergeschäft mit der Entwicklung einer ganzheitlichen Softwarelösung für das eigene Unternehmen begonnen. Der Grund hierfür war, dass die branchenspezifischen Besonderheiten in keiner Softwarelösung ganzheitlich integriert waren. Hierbei war es uns wichtig eine über die gesamte Wertschöpfungskette greifende praxisnahe Lösung, für das eigene Bauträgerunternehmen, zu entwickeln. Ziel war es damals schon alle Arbeitsbereiche eines Unternehmens der Bauwirtschaft zusammen zu führen und alle Mitarbeiter in das System einzubinden. Sprich, ein ganzheitliches Steuerungs- und Informationssystem zu schaffen, welches die Wertschöpfung in den Fokus stellt und durch Automatismen und redundanzfreies Arbeiten eine erhebliche Steigerung der Produktivität ermöglicht. Die mangelnde Verfügbarkeit von Branchenlösungen war für uns der Startschuss mit TEAM3+ an den Markt zu gehen. Durch die stetige Weiterentwicklung versteht sich TEAM3+ heute als ganzheitliche Systemlösung für Bauträger, Generalunter- bzw. -übernehmer, Architektur- und Ingenieurbüros sowie das Bauhandwerk und zudem gleichzeitig als mandantenfähiges Vorsystem zur Finanzbuchhaltung. Dabei wird TEAM3+ stets in Anlehnung an die Anforderungen der jeweiligen Arbeitsbereiche in der täglichen Praxis erweitert und angepasst.

BFW NRW :

Sie beraten seit vielen Jahren die Branche. Welche Hemmnisse sehen Sie am ehesten bei der Digitalisierung von Prozessen in Unternehmen?

Thomas Werner:

Zunächst einmal muss man sagen: betrachten wir die Bauwirtschaft, so finden wir dort eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure mit unterschiedlichem Digitalisierungsgrad: Bauträger, Generalunter- und -übernehmer, Architektur oder Ingenieurbüros, Handwerksbetriebe etc. Wir finden hier eine inhomogene bzw. diverse Arbeitsstruktur. Die Wertschöpfungsketten und Arbeitsbereiche bauen zwar aufeinander auf, jedoch existieren hier bei detaillierterer Betrachtung eine Vielzahl an Facetten. Wenn wir die Arbeitsabläufe betrachten, fällt in der Praxis auf, dass in nicht- oder teildigitalisierten Unternehmen erhebliche Koordinations- sowie Suchkosten anfallen. Ein „just in time“ Steuerungsinstrument für das Management liegt meist in Form eines ad hoc Auswertungssystems mit manueller Eingabe vor. Hierdurch entstehen Zeitfresser, Redundanzen und ein erheblicher Pflegeaufwand um auf aktuelle Informationen zugreifen zu können. Auch heute noch ist der Digitalisierungsgrad der Branche als vergleichsweise unterdurchschnittlich zu bezeichnen.

BFW NRW:

Woran liegt das?

Thomas Werner:

Die Ursache hierfür ist sowohl in strukturellen als auch personellen Faktoren zu suchen, insbesondere sind konservative Hierarchien oft ausschlaggebend für mangelnde Offenheit
bezüglich der Thematik Digitalisierung. Hinzu kommen psychologische Aspekte. Der Mensch an sich ist erst einmal ein Gewohnheitstier und häufig ablehnend gegenüber Veränderungen und neuen Arbeitsweisen. Auch eine erhöhte Transparenz kann bei dem ein oder anderen zunächst zu einer Ablehnung führen. Ein neues System bringt regelmäßig neue Anforderungen und effizientere Arbeitsweisen mit sich. Grundvoraussetzung für Digitalisierung ist allerdings ein vollumfängliches Einlassen auf das neue System und die letztendliche Umstellung auf dieses, soll heißen, nach der vollständigen Implementierung und Schulung der Mitarbeiter ist dann parallel arbeiten mit dem alten System ein “no go”.
Um auf Ihre Frage zurück zu kommen: generell hat man dem Thema „Digitalisierung“ in der Vergangenheit zu wenig Bedeutung beigemessen bzw. hat sich, bedingt durch das laufende Tagesgeschäft, diesem Thema nicht nachhaltig gewidmet. Die Hemmnisse liegen daher wesentlich in der Skepsis hinsichtlich des Themenkomplexes „Digitalisierung“ und generell die fehlende Operationalisierung des Begriffs. Sprich, es stellen sich Fragen wie: Was bedeutet Digitalisierung im Detail für unser Unternehmen? Wo liegen Risiken und Chancen? Welcher Aufwand ist mit der Digitalisierung von Prozessen verbunden? Wie kann eine Umsetzung in der Praxis neben dem Tagesgeschäft erfolgen? Vorab sei an dieser Stelle angemerkt: Wir liefern unseren Kunden die passenden Antworten, begleiten die Unternehmen auf dem Weg der Implementierung von TEAM3+ und sind auch nach erfolgreicher Implementierung selbstverständlich noch für unsere Kunden da. Man muss sich zunächst die Frage stellen: wie ist Digitalisierung definiert. Ganz gewiss bedeutet es nicht das Einscannen von Dokumenten. Viel mehr ist hierunter ein Organisationsprozess für Informationen zu verstehen. Im übertragenen Sinn heißt dies, dass die Digitalisierung vorherrschender „schlechter“ Prozesse ebenfalls einen schlechten digitalen Prozess ergibt. Wenn Sie vorher ein Sammelsurium an Angeboten, Verträgen und Abrechnungen hatten, werden Sie das digital ebenso haben. Hier kommen wir ins Spiel. Wir verstehen uns als Prozessmanager und fragen uns stets: Wie sieht der ideale „schlanke“ Prozess für unseren
Kunden aus und wie bilden wir ihn digital unter den drei Gesichtspunkten Prozessoptimierung, Wirtschaftlichkeit und Ganzheitlichkeit ab? Am Ende steht als Ergebnis dann nicht „das Ablegen von digitalen Dokumenten“, sondern der digitale Prozess mit aktuellen Informationen. Generell ist meines Erachtens der Bereich Digitalisierung zunächst auf der strategischen Unternehmensebene anzusiedeln, d.h. ich sehe diesen Themenkomplex damit zunächst als strategische Managementaufgabe. Digitalisierung hat viele Facetten und betrifft dann auch operativ alle Unternehmensbereiche. Dem ganzheitlichen Prozessmanagement auf Unternehmensebene, d.h. über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Prinzipielle Grundvoraussetzung für erfolgreiches Prozessmanagement ist das Vorhandensein oder das Etablieren einer durchgängigen „Prozessdenke“ auf allen Unternehmensebenen. Ist diese Grundvoraussetzung gegeben und geht man dieses Thema definiert und zielstrebig an, ist der Aufwand minimal in Relation zum resultierenden zukünftigen Prozessgewinn. Das Hauptrisiko der bruchstückhaften, nicht durchgängigen Digitalisierung bzw. ein Rückfall in alte Strukturen und Arbeitsweisen, kann dadurch vermieden werden.

BFW NRW:

Bestandshaltende Unternehmen werden im Vergleich zu Bauträgern eher zurückhaltend bei der Digitalisierung eingeschätzt. Trifft das Ihrer Erfahrung nach zu?

Thomas Werner:

Diese Erfahrung haben wir nicht gemacht. Ganz im Gegenteil: in den letzten Jahren haben wir eine verstärkte Nachfrage von bestandshaltenden Unternehmen erfahren, das zeigt auch die Entwicklung bzw. der Bedarf in der eigenen Unternehmensgruppe. Auf Grund dessen haben wir den Baustein Miet- und Objektbestandsverwaltung in unser Produktportfolio aufgenommen. Informationen aus der Haus- und WEG-Verwaltungssoftware und TEAM3+ ergänzen sich hier und können in den buchhalterischen Ablauf integriert werden.

BFW NRW:

Viele Unternehmen entscheiden sich für eine schrittweise Digitalisierung, um Mitarbeiter nicht zu überfordern. Sicher auch, weil es ein sehr neues Feld ist, auf dem man erst mal Erfahrung sammeln will. Ist das der richtige Weg? Welche Geschäftsbereiche sind aus Ihrer Sicht entscheidend, wenn man dennoch „nur“ schrittweise vorangehen will?

Thomas Werner:

Was heißt denn „schrittweise“ Digitalisierung? Generell sollte man sich zunächst überlegen, ob man mit vielen Teilsystemen arbeiten möchte, was auch ganz klar hohe Redundanz bzw. Schnittstellenprobleme bedeutet. Man gibt Informationen mehrfach in die Systeme ein – das verursacht unnötige Arbeitszeit – und zudem benötigt man gegenseitige Schnittstellen. Dem gegenüber steht die Implementierung einer ganzheitlichen Lösung wie TEAM3+. Auch hier wird in gewisser Weise „schrittweise“ digitalisiert: man beginnt mit dem Bereich Kommunikation, geht über den Vertrieb, den Einkauf stufenweise bis alle weiteren Bausteine, angelehnt an die Projektumsetzung, eingeführt sind. Hier setzt auch unser Implementierungskonzept an. Das System ist ja nicht mit der Installation schon direkt im Unternehmen implementiert, sondern erst im zeitlichen Verlauf über verschiedene Stufen hinweg. Hier begleiten wir den Kunden und erstellen mit ihm einen auf seine Bedürfnisse und Ziele zugeschnittenen Implementierungsplan. Man muss ja auch berücksichtigen, dass unterschiedliche Unternehmen unterschiedlich aufgestellt sind. So werden häufig Unternehmensbereiche ge-outsourced, sprich an Partner übergeben. Das kann zum Beispiel die Planung sein, der Vertrieb oder die Finanzbuchhaltung. Je nach Unternehmen gibt es eben kürzere oder längere Wertschöpfungsketten. Durch unseren gemeinsamen Implementierungsplan wird dem Rechnung getragen. Es erfolgt eine Abstimmung nicht nur der Installation - unterstützt durch unsere Support-Leistungen - sondern auch der notwendigen Beratungs- und Schulungsleistungen. Dies verhindert zum einen eine Überforderung und gewährleistet zum anderen die saubere Einführung der neuen Systemlösung. Hilfreich hat sich hierbei ein ausgewählter interner Mitarbeiter des Kunden erwiesen, der die Implementierung von TEAM3+ begleitet und mit uns die Vorgehensweise koordiniert. Auf diese Weise wird der höchste Implementierungserfolg erzielt. Sie sehen, Implementierung ist auch ein Prozess.

BFW NRW:

Es gibt viele Anbieter von Software-Lösungen am Markt. Was macht bei der Schultheiß Software AG den Unterschied?

Thomas Werner:

Es stellt sich stets die Frage: welche Softwarelösung dient welchem Zweck? Kein Unternehmen ist wie das andere. Es gibt keine Homogenität, sondern eine Vielzahl verschiedener Lösungen für verschiedene Zwecke. So sind die Wertschöpfungsketten von Bauträgern, Generalunter- bzw. – übernehmern, Architektur- und Ingenieurbüros als auch von Handwerksbetrieben sehr vielfältig und weisen je nach Unternehmen – egal welcher Größenordnung - unterschiedliche Anforderungen auf. Sie stehen stets vor der Herausforderung, die beteiligten Akteure, Dokumente und Prozesse sowohl projektspezifisch als auch projektübergreifend und prospektiv zu steuern. Einer der großen Vorteile von TEAM3+ liegt darin, dass aktuelle Informationen genau dort bereitgestellt werden können, wo sie gebraucht werden und dabei eine weitestgehend automatisierte Datenaufbereitung und redundanzfreies Arbeiten ermöglicht wird. Wie bereits erwähnt, haben wir uns in der Unternehmensgruppe bereits vor nahezu 30 Jahren dieser Herausforderung gestellt und aus der täglichen Bauträgerpraxis ein ganzheitliches branchenspezifisches Managementsystem mit absolutem Praxisbezug entwickelt. Ein großer Vorteil unserer ganzheitlichen Prozessmanagementlösung TEAM3+ liegt in der Möglichkeit, verschiedenste Unternehmenskonstellationen im System abzubilden. TEAM3+ verfügt über verschiedene Produktsparten, über die es sich auf die Anforderung des Tagesgeschäfts ausrichten lässt und mandantenfähig im Sinne der Finanzbuchhaltung abbilden kann. Zudem können die Produktsparten über verschiedene Ergänzungsbausteine modifiziert werden. Mit TEAM3+ gelingt es bestens, die unterschiedlichen Aspekte und Anforderungen innerhalb der verschiedensten Unternehmen der Bauwirtschaft gekonnt zu vereinen und neue effiziente Wege zu beschreiten. Alles mit dem Ziel wertschöpfende Prozesse zu verbessern und nicht wertschöpfende Prozesse zu minimieren. Das Ergebnis ist eine erhebliche Steigerung der Transparenz, Wirtschaftlichkeit sowie Produktivität. TEAM3+ bildet dabei alle Funktionalbereiche eines Unternehmens ab und vernetzt die Informationen systemübergreifend. Man könnte TEAM3+ damit auch als „BIM-Basis“ bezeichnen. Um die Frage noch einmal aufzugreifen, was zudem den kleinen aber feinen Unterschied der Schultheiß Software AG ausmacht und uns auch deshalb so besonders: Wie bereits gesagt, kommen wir aus der Praxis, weshalb es für uns  wichtig ist unsere Kunden praxisbezogen auf dem Weg der Implementierung zu begleiten und als Berater beiseite zu stehen. Ein weiterer Vorteil: in der Beratung und Begleitung sind wir außerdem flexibel bezüglich Zeit und Ort. Zudem sichert Ihnen unser Softwarepflege und Supportpaket eine stets aktuelle Softwarelösung und persönliche Unterstützung bei auftretenden Fragen zu.

BFW NRW:

Herr Werner, herzlichen Dank für die Einblicke in Ihr Unternehmen und Ihre Lösung TEAM3+. Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit der Schultheiß Software AG und stellen natürlich auch gerne Kontakt zu unseren Mitgliedsunternehmen her.

Thomas Werner:

Auch von mir ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und das sehr angenehme Gespräch. Wir freuen uns auf die Kooperation und stehen für Anfragen sehr gerne zur Verfügung.

Zurück